Mobbing am Arbeitsplatz


Mobbing – Ursprung des Wortes

Mobbing geht auf das englische Wort „mob“ zurück, das übersetzt „zusammengerotteter
Pöbel(haufen), Gesindel, Bande, Sippschaft bedeutet.

Im Ursprung entstammt das Wort der lateinischen Bezeichnung „mobile vulgus“. Dies meint übersetzt „aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel, soziale Massengruppierung mit sehr geringem oder völlig fehlendem Organisationsgrad, in denen triebenthemmte, zumeist zerstörerisch wirkende Verhaltenspotenz vorherrscht

Christa Kolodej, Mobbing


Mobbing – Definition – I
Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind, (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“

Heinz Leymann, Mobbing



Mobbing – Definition – II

„… Der Mobbingbegriff nicht auf alle Probleme im Betrieb „zuständig“ sein soll, sondern auf das Phänomen der chronischen feindseligen Ausgrenzung Einzelner konzentriert bleibt.“

Esser, Wolmerath, Niedl, Mobbing



Mobbing – Definition – III

„Unter Mobbing im Arbeitsleben versteht man das Auftreten von negativ, kommunikativen Handlungen, die von Individuen oder einer Gruppe auf systematische Art zielgerichtet gegen eine bestimmte Person oder Personengruppe mit der Absicht, diese Person oder Personengruppe zu diskriminieren, auszugrenzen, abzuwerten und /oder zu stigmatisieren, ausgeübt werden.

Die Handlungen müssen von der/vom/von den Betroffenen subjektiv als feindselig interpretiert werden, oft auftreten und über einen längeren Zeitraum andauern.“

Mobbing-Definition im KAV (AG Mobbing NPM, 2000)



Mobbing – Handlungen

Angriffe auf die Möglichkeit sich mitzuteilen
(unterbrechen, kritisieren, drohen, anschreien, …)

Angriffe auf die sozialen Beziehungen
(keine Kommunikation, wie Luft behandeln)

Angriffe auf das soziale Ansehen
(Gerüchte verbreiten, lächerlich machen, als psych. krank bezeichnen…)

Angriffe auf die Qualität der Berufs- u. Lebenssituation
(Zuweisung überfordernder, sinnloser oder kränkender Aufgaben, …)

Angriffe auf die Gesundheit
(Zwang zu gesundheitsschädlichen Aufgaben, sex. Belästigung …)



Mobbing – Prozess

Phase 1:
Konflikte, einzelne Unverschämtheiten und Gemeinheiten

Phase 2:
Übergang zu Mobbing und Psychoterror

Phase 3:
Über- und Fehlgriffe der Personalverwaltung

Phase 4:
Ausschluss aus der Arbeitswelt

Abschieben und Kaltstellen, langfristige Krankenstände, mehrere Versetzungen hintereinander, Einlieferung in die Psychiatrie, Frühpensionierung.


Mobbing – Betriebliche Ursachen

>
schlechte Arbeitsorganisation
> fehlende Konfliktkultur
> schlechte Arbeitsgestaltung
> geringes Sanktionsrisiko
> mangelnde Arbeitsleitung
> fehlender Handlungsspielraum



Mobbing – wesentliche Phänomene

Langer Zeitraum

feindselige Handlungen über längere Zeit - zumeist kleine, kaum wahrnehmende Handlungen keine Ansatzpunkte für Hierarchie und Gerichte



Mobbing- wesentliche Phänomene

Heftige Emotionen und Kognitionen

Empörung, Angst, Wahrnehmungsverzerrungen
Negative Idealisierung, Dämonisierung

Persönlichkeitsstörungen
(teuflisch ist dabei, dass z.B. Querulanz als vermeintliche Ursache des Mobbings angesehen wird und dann den Angreifern als Rechtfertigung dient)


Mobbing – wesentliche Phänomene

Ausgrenzungsdynamik

Emotionale Ansteckung
Angst, Wut, Demütigung, …

Kollektive Logiken
z.B. Sündenbockphänomene, Projektive Spaltung, …
machen auch vor involvierten GewerkschaftsvertreterInnen nicht halt!

Verschwörungstheorien, Mythen
Wesentliche Grundlage: Bedürfnis nach Erklärungen

Sozialer Tod
z.B.: Voodoo


Mobbing – krankmachende Mechanismen

Dauernder Stress - Kumulative Traumatisierung
(Psychotraumatologie)

Den Betroffenen wird durch die fortgesetzten subtraumatischen Attacken die Möglichkeit der Erholung systematisch genommen.

Sekundäre Traumatisierung
Die Betroffenen werden durch die hierarchische bzw. gerichtliche Aufarbeitung neuerlich schwer belastet.


Derzeitiger Umgang mit Mobbing

Mobbing – Interventions-Realität

Überforderung
Hierarchien neigen aus Angst vor Kontrollverlust zur „Flucht in Entscheidungen“

„Abliegen lassen“
Grundannahme: Viele Probleme lösen sich von alleine
(Viel mehr ist nicht immer viel besser)

Engagement im Bereich „Primäre Prävention“„Strategien der Nichtwahrnehmung von Hilfsbedürftigkeit“
Abschreckende Inszenierungen, dürftige Informationen, entwürdigende Behandlung, Hochschwelligkeit der Einrichtung (Gefahr der Stigmatisierung)


Mobbing – Recht

Fürsorgepflicht des Dienstgebers
Pflicht zum Handeln: Erhebungen, Ermahnung, Verwarnung, Versetzung, Kündigung, Entlastung

„Opfer“ nicht automatisch versetzbar
Rechtssprechung VwGh, Verschuldensfrage beachten /dienstliches Interesse

Problem „rechtlich relevanter Tatbestand“
Bei eskalierten Konflikten werden zumeist die rechtlich relevanten Tatbestände (Beleidigung, Datenbeschädigung, dauernde Sachentziehung, Erpressung, Bedrohung, Körperverletzung, üble Nachrede etc.) vermieden oder so verschleiert, dass sie kaum zu beweisen sind.

Prozessrisiko
Rechtssprechung bisher nicht sehr hilfreich

Kurt Obermülner, MAS (Mediation)

Gewerkschaft der Gemeindebediensteten FCG
1090 Wien, Maria Theresien Straße 11

E-Mail:kurt.obermuelner@gdg.at